7.3 Theorie und Praxis

7.3 Theorie und Praxis

Die EU zeigt, dass man aus dem Zusammenbruch des Sozialismus nicht gelernt hat. Die europäischen Kulturen sind unterschiedlich, beispielsweise in ihrer Leistungsbereitschaft, im Verhältnis von Bürger und Staat oder bei ihrer Bildungsorientierung. Das Negieren dieser Unterschiede führt zu der Situation, die heute Europa zerreißt. Nicht Transferzahlungen führen zu Wandel, sondern gesellschaftlicher Druck. Leider wird heute Fehlverhalten und wirtschaftliche Inkompetenz sogar durch verstärkte Transferzahlungen noch belohnt.

Gleichheit im klassischen Liberalismus bedeutet Gleichheit vor dem Gesetz und nicht Gleichheit von Individuen, ihrer Leistungsfähigkeit, nicht Gleichheit von Kultur, Religion, Geschlecht oder Weltanschauung. Es hat sich gezeigt, dass eine planmäßige Veränderung von Kulturen, die über Jahrhunderte gewachsen sind, von oben herab nicht realistisch ist.

Wettbewerbsfähigkeit ist eine gewachsene kulturelle Errungenschaft, die auf Grundlagen beruht wie einem qualitativ hochwertigen Ausbildungssystem, einer kulturell verankerten Wertschätzung von Leistung oder auch der Ablehnung von Korruption. Wettbewerbsfähigkeit muss wachsen durch den Willen der Menschen, ihre Kultur und die ihrer Umgebung zu verändern, beispielsweise die eigene Unternehmenskultur. Wenn Kulturen zu diesem Fortschritt nicht bereit sind, dann kann man sie auch nicht zwingen. Leistung funktioniert nur freiwillig.

Fotos: Theorie und Praxis

Die Politiker, die heute Europa dominieren, wollen Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen in Europa und auch darüber hinaus gar nicht mehr anerkennen. Für sie steht Toleranz über allen anderen Werten, und mit Toleranz meinen sie die Aberkennung des Rechtes der Mehrheitskultur, andere Kulturen kritisieren zu dürfen.

Wenn die politische Korrektheit vorgibt, dass keine Kultur jemals als fortschrittlicher oder besser als eine andere bezeichnet werden darf, warum soll man dann europäische Werte, wie beispielsweise Frauenrechte, gegenüber fremden Zivilisationen verteidigen? Diese Politik ist das genaue Gegenteil Europas. Sie bewirkt die Aufgabe von europäischer Identität. Sie verleugnet lieber ihre eigenen kulturellen Errungenschaften als das linke Gleichheitsideal anzuzweifeln.

Gleichzeitig hat die EU den Anspruch, per Regulierung tief in die europäischen Lebensbereiche einzugreifen und das bestmögliche System für ganz Europa zu finden. So funktioniert aber Fortschritt nicht. Er beruht nicht darauf, dass ein Zentralplaner eine Idee für den ganzen Kontinent umsetzt. Fortschritt beruht darauf, dass man neue Ideen zulässt, dass die besseren Ideen sich im Wettbewerb bewähren, und zu Ungleichheit führen. Ungleichheit führt zu Konkurrenz und diese zu besserer Politik, weil erfolgreiche Ideen kopiert werden.


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