Die europäische Währungsunion und die Theorie der optimalen Währungsräume

Die europäische Währungsunion und die Theorie der optimalen Währungsräume

Grundlage der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte zur Einführung des Euro war die Theorie der optimalen Währungsräume, deren Grundstein Robert Mundell 1961 legte und für die er 1999 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Im Zentrum der Theorie steht die Frage, wie Volkswirtschaften auf destabilisierende externe Störungen reagieren. Es wird angenommen, dass eine Störung oftmals leichter durch Änderung der Wechselkurse ausgeglichen werden kann als durch Änderung der inländischen Preise bzw. Löhne. Demnach erfüllt die Existenz mehrerer Währungen einen nützlichen Ausgleichsmechanismus. Wenn dieser Mechanismus entfällt, muss er durch andere ersetzt werden. In der Literatur setzt eine Währungsunion hohe Faktormobilität, Offenheit der Volkswirtschaften, Produktdiversifikation und Integration der Wirtschaftspolitik voraus. Um eine Währungsunion zu einem Erfolg werden zu lassen, ist insbesondere für die Arbeitsmärkte erforderlich, dass Preise und Löhne flexibel genug sind, um auf Nachfrageschwankungen auf den Gütermärkten mit einer Preisanpassung und nicht einer Mengenanpassung des Faktors Arbeit zu reagieren.

Als eine Störung versteht man eine durch exogene Einflüsse ausgelöste Veränderung der Nachfrage- oder der Angebotsbedingungen. Diese kann symmetrisch alle Teilnehmer einer Währungsunion erfassen, ist aber dann für die internen Austauschverhältnisse irrelevant. Im Falle einer asymmetrischen Veränderung werden die Teilnehmer der Währungsunion unterschiedlich erfasst, und es kommt zu einer Anpassung der relativen Preise und/oder der Mengen. Betrachtet werden sollen nur solche Störungen, welche die Löhne und die Beschäftigung eines Landes nachteilig beeinflussen.

Eine hohe Lohnflexibilität ist eine Bedingung, dass eine Währungsunion erfolgreich sein kann.

Ein Beispiel für eine Störung ist ein Nachfragerückgang nach den im Inland hergestellten Gütern. Um Arbeitslosigkeit im Exportsektor in Folge einer Nachfragesenkung zu vermeiden, müssen die Preise in ausländischer Währung für das Exportgut gesenkt werden. Das kann auf zweierlei Wegen erreicht werden: Entweder gelingt es, über eine Senkung des Preises (im neoklassischen Modell c.p. zulasten der Löhne) den Preis absolut zu senken, oder aber die Inlandswährung wird nominal abgewertet. In einer Währungsunion ist die zweite Option nicht möglich, die Anpassung muss also durch die Senkung der inländischen Löhne und der Güterpreise erfolgen. Eine hohe Lohnflexibilität und die Fähigkeit, während oder nach Krisen die Löhne deutlich zu senken (interne Abwertung), ist also eine Bedingung, die erfüllt sein muss, damit eine Währungsunion erfolgreich sein kann. Neben der Lohnflexibilität gibt es noch eine zweite, alternative, Möglichkeit zum Ausgleich asymmetrischer, adverser Schocks: Wenn die Mobilität der Arbeitskräfte zwischen den beteiligten Volkswirtschaften besonders hoch ist, kann die Wanderung von Arbeitskräften aus den negativ betroffenen Gebieten einen Ausgleich schaffen.

Das Risiko, mit diesen Teilnehmerstaaten eine Währungsunion gründen zu wollen, war außerordentlich hoch. Die Politiker um Mitterrand und Kohl, welche diese Währungsunion unbedingt wollten, stellten den ökonomischen Theorien eine eigene Hypothese entgegen: Die Idee der Konvergenz und die sogenannte „Lokomotivtheorie“. Demnach sollte ein gemeinsames Regelwerk die Vereinheitlichung von Wirtschafts- und Finanzpolitik im neu geschaffenen Währungsraum erzwingen und so die Integration der Teilnehmer beschleunigen. Eine Annäherung der schwächeren Teilnehmer an das deutsche Niveau sollte nach Einführung der Währungsunion erreicht werden.


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