3.7 Fazit der Länder-Reports

3.7 Fazit der Länder-Reports

Der europäische Süden hat in den Jahren nach der Krise einige Anstrengungen unternommen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zwar haben sich einzelne Erfolge eingestellt, so beispielsweise in Spanien, aber insgesamt haben sich die Bürger gegen weitere Reformen ausgesprochen.

Die Reformer wurden entweder abgewählt oder mussten ihre Ideen aufgeben. Unter diesen Umständen werden Reformideen, die eine wirtschaftliche Konvergenz fördern würden, auch in den kommenden Jahren in diesen Ländern keine politische Unterstützung finden.

Möglichkeiten den Euro im Süden zu erhalten:

Option 1

Die finanziell schwachen Euro-Länder können harte Sparmaßnahmen, Reformen, Renten- und Lohnsenkungen durchführen. Sie müssten sehr viel Geld auftreiben, um ihre Banken zu rekapitalisieren, und Investoren müssten genug Vertrauen aufbauen, um hier zu investieren.

Diese Option ist politisch nicht durchsetzbar. Die Menschen wollen keine Reformen mehr und verweigern diese, wie man auch aktuell am Protest der Gelbwesten in Frankreich sehen kann. Lohnsenkungen würden vermehrt zu vielen privaten Insolvenzen führen und die angeschlagenen Banken weiter belasten. Angesichts der vielen Probleme ist schwer vorstellbar, wie das Vertrauen von Investoren wiederhergestellt werden könnte.


Option 2

Die Euro-Länder aus dem Süden brauchen dauerhaft große Transfers aus Deutschland und/oder anderen Staaten.

Diese Transfers aus Deutschland und anderen Staaten, sind wohl möglich, aber nicht in der benötigten Höhe. Emmanuel Macron hat in 2017 „mehrere Punkte BIP“ gefordert. Das ist politisch nicht zu erreichen. Die Bundesregierung hat wohl einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag geboten, der aber angesichts der Probleme im Süden keinen entscheidenden Unterschied machen dürfte. Die Divergenz, also die negative Konvergenz, würde auch immer höhere Mittel erfordern.


Option 3

Die südlichen Euro-Staaten brauchen eine EZB, die ihre Schuldscheine aufkauft und monetarisiert, also eine politisierte Geldpolitik, die irgendwann in die Inflation führt.

Dies ist die Variante, die in den letzten Jahren mangels politischer Alternativen durchgeführt worden ist. Die Staaten haben über ihre Verhältnisse gelebt und den zu hohen Konsum über die Notenpresse der politisierten EZB finanziert. Nun möchte die EZB aus dieser Geldpolitik aussteigen und die Politik verpflichten, die Optionen 1 und 2 anzuwenden. Ob das gelingt, ist fraglich. Die Wähler in Südeuropa stimmen nicht für Ausgabendisziplin und die in Nordeuropa nicht für immer weitere Transfers.


Option 4

Deutschland und andere nordeuropäischen Staaten verlassen den Euro. Der Euro wertet ab und die Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas wird wiederhergestellt.

Doch dies bedeutet das Eingeständnis, dass der Euro nicht funktioniert: „Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende“, sagt der Volksmund.


Quellenangaben für die verwendeten Fotos: