3.3 Italien – Liebe, Drama & Pistolen

3.3 Italien – Liebe, Drama & Pistolen

„La Dolce Vita“, „Das süße Leben“, heißt der wohl bekannteste Film des italienischen Regisseurs Federico Fellini aus dem Jahr 1960. Und er beschreibt ein Lebensgefühl, welches wir – Klischee hin oder her – mit Italien verbinden: Pizza, Pasta, Vino. Prada. Ferrari, Mafia, Berlusconi. Monte dei Pasci. Und alles wird zusammen gehalten von La Mamma. Doch ist das italienische Leben halt teuer. Irgendwer wird die Zeche zahlen müssen.

Italien ist ein Gründungsmitglied der Europäischen Union und war aktiv an der europäischen Integration beteiligt. Das Land ist in sich historisch allerdings tief gespalten. Das heutige Italien wurde durch die Zwangsvereinigung mehrerer unabhängiger kleiner italienischer Staaten geschaffen. In der italienischen Gesellschaft spielen ganz unterschiedliche Einflüsse aus Nord- und Südeuropa zusammen. Die nördlichen Provinzen sind wirtschaftlich deutlich stärker und besser organisiert, während die Institutionen des italienischen Staates in Süditalien und Sizilien nie eine gute Funktionsfähigkeit erreichen konnten. Korruption ist nach wie vor weit verbreitet. Ein weiteres Problem ist die komplizierte italienische Verfassung, die ein politisches System aus ständig wechselnden Regierungskoalitionen und Neuwahlen zur Folge hat. Italien hatte seit dem Zweiten Weltkrieg über 60 Regierungen.

Italien hat es in den Jahren seit der Finanzkrise zu zweifelhafter Medienpräsenz gebracht, obwohl es bis heute kein offizielles Rettungsprogramm benötigt. Eine Rettung Italiens nach dem Vorbild Griechenlands wäre allerdings schon aufgrund der Größe so gut wie unmöglich. Die offizielle italienische Staatsverschuldung liegt bei rund 2,3 Billionen Euro, dazu kommen weitere Verbindlichkeiten über die Target 2-Salden von über 482 Milliarden Euro. Ein finanzieller Kollaps Italiens hätte gewaltige Sprengkraft und könnte das Aus der Euro-Währung bedeuten.

Seit 1990 stagniert die Wirtschaft. Italien konnte als einziges südeuropäische EU-Mitglied kein substanzielles Wirtschaftswachstum kreieren. Zwar hatte das Land ab den 90er Jahren einen schuldengetriebenen Aufschwung. Die Erfolge sind aber mit der Euro-Krise in sich zusammengebrochen. Viele wichtige Industrieunternehmen mussten aufgeben. Heute leidet das Land unter hoher Arbeitslosigkeit, die Staatsverschuldung liegt bei rund 130% des Bruttoinlandproduktes. Obwohl EZB-Chef Mario Draghi alles tut, um den Italienern den Rücken freizuhalten und Zeit zu kaufen, um grundlegende Reformen in der Wirtschaft und dem Bankensektor durchzuführen, ließen die Italiener die Zeit ungenutzt verstreichen. Nach harten Verhandlungen mit der EU hat man sich auf ein italienisches Haushaltsdefizit von 2,04 Prozent des BIP für 2019 verständigt. Allerdings ist das Hauptproblem, die Überschuldung des Staates und des Bankensektors, nach wie vor ungelöst. Für 2019 rechnet der Internationale Währungsfonds IWF mit einem Wachstum Italiens von lediglich 0,2 Prozent.

Die Wettbewerbsfähigkeit Italiens verschlechtert sich im internationalen Vergleich zunehmend, und unter den derzeitigen Voraussetzungen könnte jede Rezession das Aus als Mitglied des Euro bedeuten. Es wäre gleichzeitig das Aus für den Euro und der gesamten Währungsunion in ihrer jetzigen Form.


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