Interview: Hyggelig (Anders Vistisen)

Interview: Hyggelig (Anders Vistisen)

Gemütlichkeit — Ausdruck dänischer Lebensart.

Anders Primdahl Vistisen ist dänischer Europaabgeordneter und Mitglied der EKR-Fraktion des Europäischen Parlaments.

Warum werden die Dänen immer wieder zum „Glücklichstes Volk der Welt“ gewählt?

Dänemark hat einen hohen Lebensqualitätsindex und Zufriedenheitsindex. Dafür gibt es viele Gründe. Dänemark ist eines der reichsten Länder der Welt, wir haben keine materiellen Probleme. Das hat auch viel mit Vertrauen in die Gesellschaft zu tun, und Dänemark ist ein Land mit dem höchsten Grad an gegenseitigem Vertrauen. Die Menschen kommunizieren untereinander und mit den höchsten Kontroll-Instanzen über die Institutionen. Es gibt reiche und arme Leute, aber die große Mehrheit lebt innerhalb einer bestimmten wirtschaftlichen Bandbreite. Deshalb gibt es auch kaum soziale Unruhen oder Spannungen. Es ist entscheidend, dass man sich in der Gesellschaft für das Gemeinwohl einsetzt und Konflikte nicht in Kämpfen austrägt. Diese Gemeinwohl-Orientierung wird allerdings durch Migration und andere Faktoren wie etwa Finanzskandale im Bankensektor bedroht. Wir sollten unser dänisches Modell beibehalten. Sonst bekommen wir die gleichen Probleme wie andere europäische Länder, etwa Deutschland, wo die Menschen nicht mehr vom politischen Establishment gehört werden.

Welche Reformen in der EU sind aus dänischer Sicht notwendig?

Bezüglich EU-Reformen sollten wir aus euroskeptischer Sicht das Beste hoffen und das Schlimmste befürchten. Ich denke, der Brexit wird diesbezüglich entscheidend. Die EU muss zur Besinnung kommen und verstehen, dass der Brexit die Konsequenz davon ist, immer mehr gemeinsame Regeln aufzustellen. Entweder man gibt den Mitgliedstaaten wieder mehr Flexibilität, oder die EU folgt dem Plan von Guy Verhofstadt, nämlich die Vereinigten Staaten von Europa. Dann wird Großbritannien nicht das letzte Land sein, das die EU verlässt. Wir sollten hoffen, dass der Zuwachs der euroskeptischen Kräfte bei den bevorstehenden Wahlen Brüssel dazu bewegen kann, umzukehren.


Quellenangaben für die verwendeten Fotos: