7.1 Der europäische Subkontinent

7.1 Der europäische Subkontinent

Europa ist nicht irgendein Kontinent. Unser Kontinent hat eine großartige Geschichte und Tradition. Diese Geschichte war nicht immer unblutig, aber es war eine Geschichte von Erneuerung, Fortschritt und Entdeckung. Wie kein anderer Kontinent hat Europa die Wissenschaften definiert, die Philosophie und die Kunst. In Europa entstand die Aufklärung. Unser Kontinent, der noch vor einhundert Jahren die Welt beherrschte und in seiner Macht erst vor siebzig Jahren von den USA abgelöst wurde, wird auf vielen Gebieten inzwischen immer mehr zu einem Museum.

Ein Kontinent, der Touristen anlockt, die die vergangene Pracht und den vergangenen Ruhm sehen und sich wundern, wie dieser Abstieg so schnell geschehen konnte.

Zivilisatorische Auf- und Abstiege sind in der Geschichte normal. Kulturen erleben kulturelle Blüten und Vergängnis. Europas Geschichte war immer eine Geschichte des Wettbewerbs zwischen Staaten und Kulturen. Anders als in anderen Weltregionen gelang es seit den Römern keiner Macht mehr, die europäische Hegemonie zu erreichen. Neid und Wettbewerb trieben die Europäer vergangener Generationen zu Höchstleistungen an. Während zentralisierte Systeme in anderen Teilen der Welt einen umfänglichen Niedergang erleben mochten, blieb der Niedergang in Europa, außer vielleicht zu Zeiten der Pest, immer regional beschränkt. Wettbewerb wurde auch zum Grundprinzip der demokratischen Systeme, die sich in Europa nach und nach etablierten. Es gab Wettbewerb zwischen den Parteien um Wähler und Wettbewerb zwischen den Verfassungsinstitutionen. Die Werte Europas haben die Marktwirtschaft hervorgebracht als Mechanismus, der die Fähigkeiten und Ressourcen der einzelnen Staaten bestmöglich nutzt. Wie ist es also möglich, dass gerade unser Europa so schnell und gründlich seine Selbstdemontage betreibt?


Quellenangabe für das verwendete Foto: